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Die Schönfelder Gutskirche

Ein einzigartiges, malerisches Bild bietet das kleine, 86 Einwohner zählende Dorf Schönfeld in der Altmark, denn hier stehen am Rande des Gutshofbereiches neben Herrenhaus und Park zwei Kirchen dicht beieinander. Eine kleine, spätromanische Feldsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts – in ihrer umgestalteten Form von 1726 – und eine imposante, neugotische Backsteinkirche.

Baugeschichte
Der Grundstein für die neugotische Kirche ist im Frühling 1883 im Auftrag der damaligen Gutsbesitzer, Elisabeth von Rundstedt, geb. Stumm, und Otto von Rundstedt, gelegt worden. Die Einweihung der Kirche fand am 23. September 1885 statt. Die ehemalige Gutskirche ist ein Bauwerk des Architekten Conrad Wilhelm Hase, dem Begründer der „Hannoverschen Architekturschule“, die stilprägend auf weite Teile Europas wirkte. Die Schönfelder Kirche gilt als beispielhaft für diesen Baustil und spiegelt die Schaffensphase des Baumeisters wider, in der er seine eigene, neugotische, puristische Formensprache entwickelte. C. W. Hase baute als oberster Bauleiter die Kirche in Anlehnung an seinen aus dem Jahr 1882 stammenden Entwurf. Einige seiner Entwurfszeichnungen zur Schönfelder Kirche veröffentlichte er 1890 und 1891. Während der Bauarbeiten war der Architekt Eduard Wendebourg aus Hannover als sein ständiger Vertreter vor Ort. Ein weiterer prominenter Künstler, der an der Schönfelder Gutskirche gewirkt hat, war der Maler Hermann Schaper aus Hannover, der die Wandmalerei im Achsfeld des Chorpolygons ausführte, die Darstellung einer Maiestas Domini mit den Erzengeln Michael und Gabriel.

Die Gutskirche der Familie von Rundstedt diente seit ihrer Einweihung im Herbst 1885 für 91 Jahre als Gemeindekirche des Dorfes, denn die mittelalterliche Kirche war für die damals 130 Schönfelder Bürger zu klein. Nach der Enteignung während der Bodenreform gelangte das Gebäude 1945 in den Besitz des „Volksgutes Schönfeld“ und wurde schließlich 1952 der Kirchengemeinde übergeben.
Seit sich die evangelische Gemeinde seit 1976 auf Initiative des damaligen Pfarrers wieder in der benachbarten spätromanischen Feldsteinkirche eingerichtet hat, wird die große Backsteinkirche nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Die letzte große Hochzeit wurde hier im Jahr 1984 gefeiert.

Trotz Leerstands und unterlassener Reparaturarbeiten am Dach des Kirchenschiffs seit dem Zweiten Weltkrieg ist der bauliche Zustand des qualitätvollen Baus, besonders des aufgehenden Mauerwerks noch gut. Infolge der defekten Dächer und der desolaten Dachrinnen sind allerdings erhebliche Schäden durch eindringendes Regen- und Schmelzwasser entstanden, so dass dieses bedeutsame Kulturdenkmal zu verfallen droht. Seit mittlerweile zehn Jahren wird erfolglos versucht, das repräsentative Gebäude zu verkaufen. Im Herbst 2009 stellte der Eigentümer, das Kirchspiel Schinne, den Abrissantrag.

Baubeschreibung
Die neugotische Backsteinsaalkirche setzt nicht nur einen herausragenden architektonischen Akzent im Dorf, sondern ist mit ihrem 42 m hohen Turm als orientierende Landmarke bereits von weitem sichtbar. Das Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss besteht aus breitem Westquerturm, Lang- und Querhaus sowie einem polygonalen Chor mit Fünfachtelschluss. Die äußeren Wandflächen sind durch schlanke Wandpfeiler gegliedert und dezent mit Bauschmuck gestaltet. Über dem Haupteingang befinden sich ein Mosaik mit segnendem Christus und eine Fensterrose. Die Form der Westrose wurde auf die beiden Rosetten des Nord- und Südquerhausgiebels übertragen. Damit wich C. W. Hase von seinem ursprünglichen Fassadenentwurf ab, der jeweils eine Dreiergruppe von anders gestalteten Kreisrosetten an den Giebelflächen vorsah.

Der Turm ist in das kreuzrippengewölbte Erdgeschoss (die Vorhalle), das Orgelemporengeschoss und das Glockengeschoss mit Turmspitze gegliedert. Das Emporengeschoss ist durch einen spitzbogigen Jochbogen zum Schiff hin weit geöffnet. Hier befindet sich auch die vollmechanische Orgel, deren Orgelpfeifen bereits 1921 erneuert wurden. Als Besonderheit gilt die noch original erhaltene Tretbalganlage.
Das Kirchenschiff besteht aus zwei Rechteckjochen mit Kreuzrippengewölbe.

 

 

C. W. Hase entwarf nicht nur das Gebäude, sondern auch Teile der Innenausstattung, wobei er als Baumeister der Hannoverschen Schule nach gestalterischer Einheit von Architektur und Ausstattung im Sinne eines Gesamtkunstwerks strebte. Von der bis Ende der 1990er Jahre noch gut erhaltenen Originalausstattung sind einige Stücke bis heute in der Kirche verblieben. Das sind Überreste des durch Vandalismus zerstörten Altars, die Sakristeiwand, die Patronatslogenschranke, der schmiedeeiserne Radleuchter, die Kanzel mit einem Teil des Schalldeckels und die Orgel im Turmobergeschoss. Einige Teile des Mobiliars sind in der alten Kirche in Benutzung, andere sind verkauft, zerstört oder gestohlen worden.
Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wurden zwei der drei von den Brüdern der Elisabeth von Rundstedt gestifteten Glocken auf dem Kirchturm zerschlagen und abtransportiert. Der Verbleib der dritten Glocke ist nicht bekannt.
Zum Schutz vor Beschädigungen wurden 1999 die vier zweibahnigen Glasmalereifenster des Chorpolygons, die mit Evangelistensymbolen, Blattornamenten und Wappen gestaltet sind, ausgebaut und sichergestellt.
Die teilweise zerstörte Verglasung der dreibahnigen Lanzettfenster des Langhauses und der vierbahnigen im Querhaus besteht aus einer schlichten hellen Bleirautenverglasung.

Das Dorf Schönfeld

Wichtige Gebäude
Südlich, nur etwa 30 m von der bereits oben beschriebenen, 1885 geweihten, ehemaligen Gutskirche entfernt, befindet sich das älteste Gebäude des Ortes, die alte Dorfkirche. Sie ist ein kleiner, spätromanischer Feldsteinbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in ihrer umgestalteten Form von 1726. Die überformenden Baumaßnahmen fanden unter Thomas Christian von Rundstedt mittels Mitgift seiner Frau Helene von Hitzacker statt. Aus dieser Zeit stammen auch die Deckenmalereien. Die Einweihung nach Wiederherstellung der Kirche fand am 24. 6. 1726 statt.

Am südwestlichen Ende des Dorfes befindet sich das ehemalige Rittergut von Rundstedt mit einigen, heute denkmalgeschützten Gebäuden, darunter das alte Gutshaus aus Fachwerk, welches Thomas Christian von Rundstedt anlässlich seiner zweiten Hochzeit (laut Inschriftentafel 1737) mit Hilfe der Mitgift der Sophie Marie von Itzenplitz erbaute – und das Schloss / Herrenhaus, welches bis zur Enteignung 1945 ebenfalls zum Gut gehörte. Der zweigeschossige, historistische Putzbau wurde von 1873 bis 1875 (Bauinschrift) unter Elisabeth und Otto von Rundstedt errichtet. Er befindet sich inmitten eines großzügigen Parks, der 1885 im englischen Stil angelegt worden war.

Geschichte des Ortes
Im Jahr 1370 wird der Ort erstmals schriftlich genannt, aufgrund der Stiftung einer Getreiderente für die Kirche. Im Landbuch Kaiser Karls IV. wird 1376 erwähnt, dass in dem altmärkischen Bauerndorf der Stendaler Bürger Etzel Duser, die Familie von Bismarck, der Dom zu Stendal und das Stendaler Hospital St. Gertrud Besitz und Abgaben haben. Aus dem Jahr 1540 sind in Urkunden die Ortsnamen Schonfelth und Schonevelde und in 1693 der Name Schönefeldt bekannt, der vermutlich von Schänfeld abgeleitet wurde, welches Feld des Schadens oder unfruchtbarer Acker bedeutete.

Für das Jahr 1641 ist überliefert, dass es zwei Rittersitze in Schonefeldt gab. Ein Rittergut war nachweislich von 1509 (unter Hermann von Ronstedt, gest. 1548) bis 1945 im Besitz der Familie von Rundstedt. Der heute das frühere Heidedorf umschließende Wald wurde erst zwischen 1870 und 1890 unter dem Gutsbesitzer Otto von Rundstedt angelegt. Der Offizier Otto von Rundstedt (1831–1890) übernahm 1864 das Rittergut, verpachtete es zunächst und zog schließlich 1871 nach seiner Rückkehr aus dem Deutsch-Französischen Krieg mit seiner Frau Elisabeth, geb. Stumm, Tochter des Großindustriellen Friedrich Freiherr von Stumm, nach Schönfeld.

Über die vermögende, aus dem Saar-Bergbau stammende Elisabeth (1841–1921) schreibt der ab 1909 in Schönfeld wirkende Lehrer Hermann Stäcker mit großer Bewunderung, dass ihrer „treuen Fürsorge“ Schönfeld sein gesamtes Aussehen verdanke. Nicht nur Schloss, Park und Gutskirche errichtete Elisabeth von Rundstedt, sie baute auch zahlreiche Gebäude im Dorf, erweiterte die Schule und richtete 1878 im alten Gutshaus eine der ersten „Kleinkinderbewahranstalten“ überhaupt ein, die bis zu ihrem Tod 1921 bestand. Im Jahr 1910 sorgte sie für die Elektrifizierung und später für eine Wasserleitung im gesamten Ort. Die geplante Kanalisation und die Neupflasterung der Dorfstraße konnte sie nicht mehr verwirklichen. Zu Lehrer Stäcker sagte sie: „Ich habe nur die eine Sorge, dass ich den Reichtum, den Gott mir gegeben hat, auch wirklich recht und zum Besten der Menschen verwende“.
Das Rittergut derer von Rundstedt wurde während der Bodenreform 1945 enteignet.
Seit 2010 ist das 86 Einwohner zählende Dorf Schönfeld Ortsteil der Verwaltungsgemeinde Stadt Bismark.

 

Literatur:

Klose, Helmut (1989):
Schönfelder Kirchen, unveröffentlichter Bericht des von 1952 bis 1983 amtierenden Pfarrers zur Baugeschichte.

Riecke, Uta-B. (2010):
Die Schönfelder Kirche von Conrad Wilhelm Hase.

Schönermark, Gustav (1890–1891) (Hg.):
Die Architektur der Hannoverschen Schule, moderne Werke der Baukunst und des Kunstgewerbes in mittelalterlichem Stil, Hannover, II. Jahrgang 1890, III. Jahrgang 1891.

Stäcker, Hermann (1927):
Heimatchronik des Dorfes Schönfeld bei Stendal, zusammengestellt nach Urkunden und Erlebnisberichten, begonnen in Schönfeld 1927
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Titelblatt: Uta-Barbara Riecke, Die Schönfelder Kirche von Conrad Wilhelm Hase (2011)

Die Schönfelder Kirche von Conrad Wilhelm Hase

  Uta-Barbara Riecke

Der 46 seitige Kirchenführer kann über das Kontaktformular auf dieser Internetseite oder unter der Emailadresse kontakt(at)gutskirche-schoenfeld.de bestellt werden.
Gegen eine (bitte zuvor) zu entrichtende Spende von € 15 für die Erhaltung der Kirche (zzgl. Porto) schicken wir Ihnen gern diese Broschüre zu.
 

 

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Fotos, soweit nicht anders angegeben © 2012 Dipl.-Restauratorin Uta-Barbara Riecke M.A.